War schon immer so? Denkste!

Selbstverständlich war jede Tradition einmal neu, wenn man nur weit genug in die Vergangenheit zurück geht. Doch das gesellschaftliche Bewusstsein reicht nur etwa zwei bis drei Generationen zurück. Für alles, was wir tun, das unsere Großeltern schon taten, gilt: "Das war schon immer so!" Bei vielen Überlieferungen fällt es uns schwer zu glauben, dass sie nicht schon hunderte von Jahren alt sind. Doch vieles, was wir für modern halten, war eigentlich nur kurzzeitig aus der Mode gekommen.

Die Ehe

Frauen haben immer schon den Namen des Mannes angenommen. Denkste!

Hier zwei Beispiele aus meiner eigenen Familienforschung.

Osnabrücker Land: Conrad David Grever heiratete am 2.12.1731 Anna Catharina Elisabeth Griefingholt. Ihre Kinder waren Clara Maria Griefingholt (*1742) und Anna Sophia Griefingholt (*1746)

Rottal-Inn: Joseph Haidberger heiratete am 28.4.1739 Ursula Kotthöringer. Ihre Kinder hießen Maria Kotthöringer (*1742), Johann Kotthöringer (*1745) und Maria Kotthöringer (*1749).

Genau genommen war der Name ausschlaggebend, der mit dem Bauernhof verbunden war, auf den eingeheiratet wurde. So gab es auch Fälle, in denen beide Ehepartner mit der Heirat ihren Namen änderten.

Johann Heinrich Meyer zu Bergsten heiratete am 5.2.1771 Maria Elisabeth Alfermann. Ihre Kinder hießen Anna Maria Gersmann (*1771), Balthasar Heinrich Gersmann (*1774), Johann Matthias Gersmann (*1778).

Die Geburt

Bei der Geburt waren immer nur Frauen anwesend. Der Mann wartete draußen vor der Tür. Denkste!

Nicht selten ist es hier noch auf dem Lande, daß Weiber im Stehen oder im Sitzen auf zwey gewöhnlichen Stühlen, auf dem Schooße des Mannes, oder auch auf einem ganz schlechten Geburtsstuhle niederkommen.

Lehrbuch der Hebammenkunst, Jörg, 1820

Dagegen wünschen die meisten Frauen, den Gatten neben sich zu wissen, dessen liebevolle Worte der Leidenden Trost und Geduld zusprechen, dessen zärtlicher Händedruck ihren Mut erneut, aus dessen treuem Auge sie sich schon den Dank liest für das Kind, das sie ihm jetzt schenken wird.

Das Buch der Mütter, Kübler, 1891

Die Beikost

Säuglinge haben schon immer Brei als Beikost bekommen. Fingerfood ist eine neumodische Erscheinung. Denkste!

Das Obst wird den Kindern oft schon im ersten Jahre gegeben, ja man sieht nicht selten Säuglinge Aepfel, Birnen und Pflaumen benagen, und zum Theil verschlingen.

Taschenbuch für Mütter, Henke, 1832

Überrascht?

Von welchen dieser "Immerschons" seid Ihr überrascht worden? Kennt Ihr noch mehr? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Eure Karin

Edit: In einer früheren Version wurde der Autor Adolph Henke als Adolph Menke angegeben.

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